Britta Thie – Studio


Britta Thie BT M 38a Foto Matthias Kolb


Handelt es sich hier um Malerei oder doch Fotografie? Die Bilder von Britta Thie erfordern mindestens einen zweiten, wenn nicht sogar dritten Blick, um das herauszufinden. Was sie in ihren hyperrealistisch-gemalten Werken zeigt, sind vor allem Filmkulissen, technisches Equipment und Ausschnitte aus der medialen Produktionslandschaft.

Basis für diese Bilder sind Britta Thies eigene Fotografien – aufgenommen an echten Filmsets. Doch während dort wie selbstverständlich die Schauspieler*innen oder auch die Crew im Fokus stehen, wird in Thies Werken die Technik zur Hauptdarstellerin. So zeigt eines ihrer Bilder zum Beispiel einen Lichtkran vor dem pink-leuchtenden Abendhimmel, ein anderes portraitiert einen Monitor, auf dessen Ablage ein kurz-mal-abgelegtes Sandwich liegt, und ein weiteres bildet die Hilfsmittel eines Kameramanns bzw. einer Kamerafrau in Form eines roten, aufgeklappten Koffers ab. Bei letzterem wird auch deutlich, wie nebensächlich die Menschen in Thies Gemälden sind: Im Hintergrund sieht man eine Person vorbeischlendern, sie wirkt neben dem roten Koffer und seinem Inhalt aber allenfalls wie eine Komparsin.

Britta Thie Detail Lunch Break 025 oil on canvas

Britta Thie Skylight Foto Matthias Kolb

Es gibt jedoch noch einen weiteren ausschlaggebenden Punkt, den man bei der Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen erwähnen sollte: Die Bilder von Britta Thie werden von einer Installation, passenderweise auf den Namen Studio getauft, begleitet. Dafür platziert die Künstlerin ihre Werke in einer Umgebung, die einem echten Filmset gleicht. Wer also durch die Halle für aktuelle Kunst schlendert, entdeckt im Moment sowohl Teile einer Raumkapsel aus dem Science-Fiction-Film „Epilogue“ als auch eine Schleuse aus „The Stardust Hotel“, einer Serie, die ebenfalls vor Kurzem abgedreht wurde.

Diese Kulissen-Fragmente sind eine von Thies Anspielungen auf die “Prop-Graveyards” ­– sprich Friedhöfe, auf denen die ausgedienten Requisiten nach Ende eines Drehs landen. Sie sollen an die Geschichten und Erzählungen erinnern, die mit solchen Drehs und ihren Endprodukten einhergehen, wollen aber auch das Gefühl, das man beim Betreten eines Filmsets bekommt, greifbar machen.

Das Zusammenspiel aus Thies Gemälden und ihrer Installation wirft unter anderem ein Licht auf die Widersprüche, die bei solchen Drehs zur Geltung kommen: Was ist real, was ist fake? Wo trifft Chaos auf Ordnung und welchen Teil machen Menschen, welchen Maschinen aus? Auch der Aspekt der Nachhaltigkeit wird – vor allem durch die Anspielung auf die “Prop-Graveyards“ – beleuchtet.


Britta Thie – Studio
7. März – 4. Mai 2025

Deichtorhallen (Halle für aktuelle Kunst) | Deichtorstr. 1-2 | 20095 Hamburg |
Dienstag bis Sonntag 11–18 Uhr


Julia Mähl

Julia Mähl ist freie Journalistin und Fotografin und in den Bereichen Kunst, Theater und Stadtgeschehen zuhause. Die Wahl-Hamburgerin liebt das Schreiben – vor allem, wenn man dabei neue Dinge und Menschen kennenlernen kann. Sie hat ein Faible für gute Bars und Restaurants und ist immer bereit für das nächste Abenteuer. 

www.juliamaehl.de

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