Flower Planet - Die Tradition von Ikebana frei interpretiert


Kosen Ohtsubo, 黝めく幹 / A Bruised Trunk,chinesischer Parasolbaum, produziert im August 1975, erstmals publiziert inIkebana Ryusei Magazine, Oktober, 1975,Foto: Ryusei Photo Department.


Passend zur Jahreszeit zeigt der Kunstverein München in der aktuellen Ausstellung Flower Planet, Blumenkunst  der beiden Ikebana-Künstler Kosen Ohtsubo und Christian Kōun Alborz Oldham.

Als Praktiker und Lehrer befasst sich der Japaner Kosen Ohtsubo schon seit über 50 Jahren mit der Blumensteckkunst Ikebana. Dabei verwendet er neben Blumen jedoch auch eher ungewöhnliche Pflanzen und Behältnisse wie Gemüse und Abfall für seine Arrangements. Mit seiner unkonventionellen Herangehensweise sprengt er so den Rahmen des traditionellen Ikebana und verleiht dieser Kunstform eine völlig neue und überraschende Form.

Nachdem Christian Koun Alborz Oldham in einer Zeitschrift Arbeiten von Kosen Ohtsubo entdeckt hatte, war er derart fasziniert, dass er beschloss, das Handwerk des Blumensteckens bei ihm persönlich in Japan zu erlernen. Zeitgleich mit seiner Ausbildung begann er mit der Archivierung von Kosens Fotoarbeiten der letzten 50 Jahre. Auf diese Weise blieben dessen Ikebana-Werke auch weit über ihre eigentliche Lebensdauer erhalten.

Kosen Ohtsubo, 何に見える?/ What Can You See?, Glas, neuseeländischer Flachs, Wollgarn / Glass, New Zealand flax, wool yarn, produziert im Februar, 1974, erstmals publiziert inIkebana Ryusei Magazine, April, 1974, Foto: Ryusei Photo Department

Kosen Ohtsubo,リンガ正月 / Linga New Year, Narzisse, Kiefer, Verschiedene Blüten, produziert im Januar,1985, Foto: Ryusei Photo Department

Beide Künstler verbindet neben ihrer langjährigen Freundschaft die unkonventionelle Auseinandersetzung mit Ikebana, das seine Ursprünge überraschenderweise nicht in Japan, sondern in Indien und China hat. Der Begriff Ikebana bedeutet “lebende Blume” und soll in seiner Praxis zeigen, dass auch pflanzliche Lebewesen beseelt sind und gleichzeitig die Vergänglichkeit allen Seins verbildlichen.Durch die Verwendung lebendiger Materialien werden den Betrachtern die Prozesse des Verfalls und flüchtiger Schönheit vor Augen geführt und gleichzeitig das Unvermögen, diese unter menschliche Kontrolle zu bringen.

Im Kunstverein München  wird mit Flower Planet eine Ausstellung für alle Sinne gezeigt.Im großen Treppenaufgang sind als erstes Fotoarbeiten Kosen Ochtsubos zu sehen. Begibt man sich weiter in den großen Hauptraum der Ausstellung, wird man von einem leicht süßlichen, angenehmen Duft empfangen. Dieser wird von einem knapp drei Meter hohen, skulpturalen Objekt aus unzähligen Weiden, Blüten, Erde und ausrangierten Haushaltsgeräten verströmt. Die Arbeit mit dem Namen Linga München ist einer Linga, welche im Hinduismus als Symbol des Gottes Shiva gilt, nachempfunden. Sowohl in Indien als auch in China wurden den Linga traditionell Opfergaben in Form von Blüten, Reis oder Früchten dargebracht.

Im gleichen Raum ist auch die Arbeit Dateline von Christian Koun Alborz Oldham installiert. Diese mäandert wie eine hingekritzelte, überdimensionale Linie durch den gesamten Raum. Dateline besteht aus hunderten auf Metalldraht aufgefädelten Datteln und ist durchaus zweideutig zu verstehen. Date ist einerseits das englische Wort für Datteln, bedeutet aber gleichzeitig, im Journalismus, die Datumszeile, welche sich unterhalb einer Artikelzeile befindet. Einen Raum weiter, dem letzten der Ausstellung, befindet sich das Objekt Willow Rain. Hier sind lange Weidenruten an der Decke befestigt, die beim Hindurchgehen ein sanftes Geräusch, das an Regen erinnert, erzeugen.

Die im KM gezeigten Fotoarbeiten und zum Teil auch die Installationen werden im Laufe der Ausstellung immer wieder erneuert oder ausgetauscht. Zum einen, damit möglichst viele Werke Kosens gezeigt werden können, zum anderen wird damit die Vergänglichkeit dieser Arbeiten noch unterstrichen. Besuchen kann man Flower Planet noch bis 21.April 2025. Zudem wird es am 12.April 2025 einen Ikebana-Workshop mit Christian Koun Alborz Oldham geben. Da die Kapazität begrenzt ist, bitte vorher über info@kunstverein-muenchen.de anmelden.


Kosen Ohtsubo & Christian Kōun Alborz Oldham - Flower Planet
bis 21. April 2025

Kunstverein München e.V. / Galeriestraße 4 / 80539 München.
Dienstag bis Sonntag 12–18 Uhr


Sandra Böhm

Sandra Böhm hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und schreibt als freie Autorin für verschiedene Lifestyle-Magazine. Eine weitere Passion ist die Kunst. Als Autorin für PAJO ONE lassen sich beide Vorlieben trefflich miteinander verbinden. 

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