Bucerius Kunstforum – In Her Hands. Bildhauerinnen des Surrealismus


Isabelle Waldberg Construction, um 1945 Privatsammlung © VG Bild Kunst Bonn 2024


Zu ihrer Zeit waren sie bedeutende Künstlerinnen und Pionierinnen des Surrealismus, stellten in Städten wie Rio de Janeiro, Marseille, Paris, Kopenhagen, Washington D.C. oder New York aus. Doch mit den Jahren gerieten Sonja Ferlov Mancoba, Maria Martins und Isabelle Waldberg mehr und mehr in Vergessenheit – genauso wie ihre Skulpturen.

Das Bucerius Kunstforum feiert noch bis zum 1. Juni die Wiederentdeckung der drei Bildhauerinnen und widmet ihren Werken eine ganze Ausstellung. Zum ersten Mal werden ihre Positionen einander gegenübergestellt und ihnen wird heute die Aufmerksamkeit zu Teil, die sie auch in der heutigen Zeit verdienen. Ihre Gemeinsamkeit ist das Wirken als Kunstschaffende im Bereich des Surrealismus – einer Kunstströmung, die vor allem durch die Traumata des Ersten Weltkriegs geprägt wurde und einem Entfliehen aus der Realität gleichkommt. Essenzielle Elemente sind Träume, das Unterbewusste, aber unwirkliche Situationen.

Sonja Ferlov Mancoba wurde 1911 in Kopenhagen geboren und studierte unter anderem an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen. 1936 zog sie nach Paris und begann dort ein Studium an der École des Beaux-Arts. Mancoba, die sich schon früh für außereuropäische Kunst interessierte, legte ihren Fokus erst auf die Herstellung kleinerer Skulpturen, die sie unter anderem aus Bronze goss, später auch auf abstraktive Masken und Formen aus Ton und Gips.

Sonja Ferlov Mancoba Den lille naensomme, 1951 © VG Bild Kunst Bonn 2024

Maria Martins Ocanto do mar, 1952 Privatsammlung

Maria Martins kam 1894 in Campanha, Brasilien, zur Welt und erhielt nach ihrem Umzug nach Paris Privatunterricht bei der ukrainischen Künstlerin Catherine Barjansky. Was folgten waren weitere Umzüge nach Kopenhagen, Tokyo, wo sie sich sehr mit japanischer Keramik beschäftigte, und Belgin, wo sie Unterricht beim Bildhauer Oscar Jespers erhielt. Mit der Zeit entwickelte Martins ihre für sie typischen organisch-figuralen Objekten, die afrobrasilianische Mythen des Amazonas mit der Formensprache der Moderne zusammenbringen.

1911 erblickte Isabelle Waldberg in Schweizer Ort Oberstammheim das Licht der Welt. Sie studierte bei Hans Jakob Meyer, einem figurativen Bildhauer, über den sie ein Interesse an afrikanischen Artefakten entwickelte. Aufgrund des Zweiten Weltkrieges floh sie nach New York und arbeitet dort eng mit einer Gruppe im Exil lebender surrealistischer Künstler zusammen. Ihre erste Ausstellung fand in Peggy Guggenheims New Yorker Galerie „Art of This Century“ statt. Im Laufe ihrer künstlerischen Karriere bewegte sich Waldberg zwischen den abstrakten Bronze-Skulpturen, filigranen Holzstrukturen, Kork-Elementen und Collagen.

Die Ausstellung im Bucerius Kunstforum wirkt wie eine komplette Neuinterpretation ihrer Werke. Zum ersten Mal werden diese Frauen, die in der männerdominierten Welt der damaligen Kunstszene und Kunstgeschichte nahezu untergingen, entsprechend gewürdigt und einander gegenübergestellt.

Eine Besonderheit ist auch die Präsentation ihrer Skulpturen: Zum ersten Mal wird im Bucerius Kunstforum Tageslicht auf Arbeiten fallen – nicht nur weil Licht und Schatten ihr eigenes Spiel spielen, sondern vor allem auch, weil das Haus damit die Ateliers und Präsentationen der Künstlerinnen nachahmt.


In Her Hands. Bildhauerinnen des Surrealismus
21. Februar bis 1. Juni 2025

Bucerius Kunstforum | Alter Wall 12 | 20457 Hamburg
Montag bis Sonntag 11-19 Uhr


Julia Mähl

Julia Mähl ist freie Journalistin und Fotografin und in den Bereichen Kunst, Theater und Stadtgeschehen zuhause. Die Wahl-Hamburgerin liebt das Schreiben – vor allem, wenn man dabei neue Dinge und Menschen kennenlernen kann. Sie hat ein Faible für gute Bars und Restaurants und ist immer bereit für das nächste Abenteuer. 

www.juliamaehl.de

Zurück
Zurück

Flower Planet - Die Tradition von Ikebana frei interpretiert

Weiter
Weiter

Grand Dessert - Lust auf Nachtisch