Katharina Grosse - bei Galerie König


© 2020 Katharina Grosse KOENIG GALERIE NAVE exhibition view by Jens Ziehe

© 2020 Katharina Grosse KOENIG GALERIE NAVE exhibition view by Jens Ziehe


Katharina Grosse und dieses verrückte Jahr. Fast scheint diese „irgendwie“ Verbindung schon unheimlich. Haben wir mit Grosses It Wasn`t Us im Hamburger Bahnhof unsere große Kunstsehnsucht nach dem Lockdown im Frühjahr stillen können, eröffnete jüngst ihre dritte Einzelausstellung At 30 paces she could split a playing card in der Galerie König zu einem Zeitpunkt, als die großen Museen wieder ihre Tore schließen mussten.

In der Ausstellung werden große und weniger große rechteckige Leinwandformate neben Malereien auf unregelmäßig begrenzten Bildträgern gezeigt, die aus mehreren einander teilweise überlagernden Sperrholzplatten zusammengesetzt sind. Grosse hat die Leinwände in ihrem Atelier in Berlin gemalt, die Arbeiten auf Sperrholz in ihrem Atelier in Neuseeland.

Den verschiedenen Orten entsprechen verschiedene Malweisen und unterschiedliche ästhetische Familienähnlichkeiten: Die Bilder aus Berlin sind bestimmt durch breite, transparente, ineinander geblendete Farbbahnen und eine bestimmte vorherrschende Farbigkeit, während in den Bildern aus Neuseeland die kühle Buntheit der scharf voneinander abgesetzten Farbschlitze einem überwiegenden Schwarzanteil gegenübersteht. 


Katharina Grosse, o.T., 2020, acrylic on plywood, 391,5 x 242,5 cm, courtesy KÖNIG GALERIE Berlin, London, Tokyo. © Katharina Grosse / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 / photo: Jens Ziehe

Katharina Grosse, o.T., 2020, acrylic on plywood, 391,5 x 242,5 cm, courtesy KÖNIG GALERIE Berlin, London, Tokyo. © Katharina Grosse / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 / photo: Jens Ziehe

240 cm, courtesy KÖNIG GALERIE Berlin, London, Tokyo © Katharina Grosse / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 / photo: Jens Ziehe

240 cm, courtesy KÖNIG GALERIE Berlin, London, Tokyo © Katharina Grosse / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 / photo: Jens Ziehe


Jeweils wird die Farbe mit mehr oder weniger gleichförmig schwingenden Bewegungen aufgesprüht. Es ist allerdings nur jener Teil der Malerei zu sehen, der die Flächen getroffen hat, während der vollständige farbige Niederschlag offensichtlich über die Begrenzungen der flachen Bildträger hinausläuft. Ein unbekannter Teil, auf den jedoch zu schließen ist, hat sich außerhalb der Sperrholzplatten oder Leinwände auf dem Fußboden oder der Wand des Ateliers in Neuseeland oder Berlin abgesetzt. 

So wird die Malerei nicht dem vorgegebenen Bildträger angepasst, sondern dessen Form und Platzierung bestimmt das Bild: Eine andere räumliche Disposition des Malgrundes hätte ein anderes Bild registriert. So lassen sich die einzelnen Arbeiten in der Ausstellung als wiederholt verschobene, veränderte und ausgewechselte Projektionsflächen verstehen, die jeweils zu sehen geben, was andere Projektionsflächen von der Sichtbarkeit ausschließen. 

So ist jede einzelne Arbeit in der Ausstellung geprägt durch die Malerei, die sie nicht zeigt unter Bedingung von eingeschlossener Zeit und ausgeschlossenem Raum. Irgendwie zum Moment passend.


Katharina Grosse. At 30 paces she could split a playing card 
20.Oktober bis 18. Dezember 2020

Galerie König / Alexandrinenstraße 118–121 / 10969 Berlin
Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr


Anne Harting

Chefredakteurin und Herausgeberin

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