Galerie von Wegen – was bleibt?!
Was bleibt? Eine Fragestellung, die gerade in dieser Zeit hochaktuell erscheint, beschäftigt auch die Galerie von Wegen im Levantehaus. Denn egal ob man es gesellschaftlich oder politisch betrachtet: Wir leben in Zeiten des Umbruchs. Was also bedeutet der Wandel, wo finden wir Beständigkeit – und was liegt dazwischen?
Gemeinsam mit seiner Galeriemanagerin Anna Berendes stellte der Galerist Ron Kolbe die Ausstellung was bleibt?! auf die Beine und so finden sich drei künstlerische Positionen für fast drei Monate in der Galerie zusammen, die genau diesen Fragen auf den Grund gehen.
Zum einen ist da Maria Bang Espersen, deren Berufung das Formen von Glas ist. Wie sie mit dem Material umgeht, ist gänzlich neu und durch ihren experimentellen Umgang erlangte sie in den vergangenen Jahren internationales Ansehen. Ihre Serien wurden bereits in Finnland, Tokyo oder den USA ausgestellt. Unter ihren Händen gibt das sonst so unnachgiebige Material Glas seine ursprüngliche Identität auf, wird geschmolzen, gezogen, gedehnt. Daraus entstehen Formen, die wirken, als wären sie eine organische Masse und befänden sie sich mitten in der Bewegung. Unweigerlich kommt man bei der Betrachtung ins Grübeln und fragt sich: Was bleibt, wenn ein Material alles verliert, was es ausmacht?
Ebenfalls Teil der Groupshow ist Lennart Grau, der sich in seiner Malerei zwischen Figuration und Abstraktion bewegt. Inspiration holt sich der Künstler aus vergangenen Epochen, aus der Mythologie, Fresken und epischen Inszenierungen. Das Ganze dient ihm jedoch ausschließlich als Vorlage, denn Grau hat es sich zum Ziel gemacht, die Vergangenheit in die Zukunft zu übertragen und aus klassischen Kompositionen etwas Neues zu schaffen. Doch was bleibt, wenn die Vergangenheit in die Gegenwart gezerrt wird? Und wie bleibt etwas erkennbar, wenn es doch absichtlich verfremdet wird?
Jakob Scheidt, der sich innerhalb kürzester Zeit im Programm der Galerie etablieren konnte, verfolgt einen sehr ähnlichen Ansatz wie Lennart Grau, wenn auch auf ganz andere Art und Weise. Auch er verfremdet – allerdings nicht die Idee an sich, sondern seine eigenen Bilder. Ein ums andere Mal übermalt er sie, sodass sich mehrere Schichten und eine Art zeitliche Dimension ergeben. Daraus entsteht ein Wirbel aus Formen, Farben und Protagonisten, der irgendwie surreal und wie eine Mischung aus Traum und Wirklichkeit wirkt.
Obwohl Scheidt mit 22 Jahren mit Abstand der Jüngste in dieser Ausstellung ist, kann er neben etablierten Künstler*innen wie Maria Bang Espersen und Lennart Grau bestehen und bereichert die Ausstellung mit seiner Position. Nicht umsonst war seine erste Solo-Show ein voller Erfolg und am Ende bis auf das letzte Bild ausverkauft. Seine Werke werfen die Frage auf, was bleibt, wenn etwas Bekanntes in seine einzelnen Fragmente zerfällt und die Grenzen zwischen Fantasie und Realität verschwimmen.
Auch wenn alle drei auf ihre eigene Art die Frage was bleibt?! eröffnen, soll doch am Ende – beim Verlassen der Galerie – vor allem eines bleiben: die Kunst und ihr Eindruck.
was bleibt?!
22. Februar bis 19. April 2025
Galerie von Wegen | Levantehaus | Mönckebergstraße 7 | 20095 Hamburg
Montag bis Samstag 12-18 Uhr