The Book of Colour Concepts - Mehr als eine Farben-Sprache


Elizabeth Burris-Meyer Historical Color Guide, 1938 © TASCHEN / Canadian Centre for Architecture


Farben haben die Menschheit seit jeher fasziniert und inspiriert. Manche Menschen können sie hören, andere schmecken. Doch selbst, wer Farben nur sehen kann, wird von ihnen auf besondere Art berührt.

Farben sind nicht nur ästhetische Mittel, sondern auch mächtige Kommunikationswerkzeuge, die Stimmungen beeinflussen, kulturelle Identitäten prägen und in verschiedenen Gesellschaften unterschiedliche symbolische Bedeutungen haben. Diese allgegenwärtige Präsenz der Farbe macht sie zu einem spannenden und vielfältigen Untersuchungsgegenstand, der tief in die menschliche Erfahrung eingreift.

The Book of Colour Concepts, frisch im Taschen Verlag erschienen, taucht tief in die reiche Geschichte und die komplexen Theorien der Farbe ein. Diese zweibändige Ausgabe bietet einen umfassenden und facettenreichen Überblick über die Farbtheorien aus vier Jahrhunderten. Mit über 1.000 Abbildungen und mehr als 65 seltenen Büchern und Manuskripten aus einer Vielzahl von Institutionen, darunter einige der bedeutendsten Farbensammlungen der Welt, entführt dieses Buch seine Leser auf eine chromatische Zeitreise.

Johann Heinrich Meynier Farb-Tabelle (A Colour Table), 1799 © TASCHEN / Courtesy of Princeton University Library

Die Farbtheorien, die in diesem Werk behandelt werden, reichen von Isaac Newtons wissenschaftlichen Untersuchungen in Opticks bis zu Johann Wolfgang von Goethes künstlerischen und spirituellen Ansätzen in Zur Farbenlehre. Diese herausragenden Abhandlungen stehen neben seltenen und ungewöhnlichen Beiträgen wie den theosophischen Farbsystemen von Charles Webster Leadbeater und Annie Besant, dem umfassenden Wörterbuch der Farbe von Aloys John Maerz und Morris Rea Paul oder den farbenfrohen Kombinationen des japanischen Kostümbildners und Künstlers Sanzō Wada.

Ein besonderes Highlight des Buches ist die Würdigung der oft übersehenen Werke von Frauen, die bedeutende Beiträge zur Farbtheorie geleistet haben. Die radikal originellen "Farbflecken" der englischen Blumenmalerin Mary Gartside und ein botanisches Notizbuch der wegweisenden Spiritistin Hilma af Klint rücken ins verdiente Rampenlicht.

Die einführenden Essays von Herausgeberin Alexandra Loske und Co-Autorin Sarah Lowengard bringen die vorgestellten Farbsysteme in einen größeren Zusammenhang und bieten den Lesern tiefere Einblicke in die historischen und kulturellen Hintergründe. Sachkundige Texte der Herausgeberin zu den abgebildeten Werken gehen auf jede Theorie genauer ein und liefern wertvolle Hintergrundinformationen.


Philipp Otto Runge Farben-Kugel (Colour Globe), 1810 © TASCHEN / bpk | Hamburger Kunsthalle | Christoph Irrgang

James Sowerby A New Elucidation of Colours, 1809 © TASCHEN / Wellcome Collection, London


The Book of Colour Concepts besticht nicht nur durch seine bibliophile Ausstattung und die prächtigen Farbtafeln, sondern auch durch seine sorgfältige Recherche und die Breite des Ansatzes. Dieses Werk ist ein unverzichtbarer Begleiter für alle, die sich für die Geschichte und Theorie der Farbe interessieren.

Von den prähistorischen Höhlenmalereien bis zu den komplexen Theorien der modernen Wissenschaft – dieses Buch zeigt die tiefgreifenden Zusammenhänge zwischen Farbe und menschlicher Erfahrung und eröffnet neue Perspektiven auf ein Thema, das seit Jahrtausenden Künstler, Wissenschaftler und Philosophen gleichermaßen fasziniert. The Book of Colour Concepts ist eine chromatische Chronologie von beispiellosem Umfang und bietet eine einzigartige Möglichkeit, die Welt der Farben in ihrer ganzen Vielfalt und Tiefe zu entdecken.


Alexandra Loske und Sarah Lowengard
The Book of Colour Concepts

Taschen
150 Euro


Anne Harting

Chefredakteurin und Herausgeberin

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